29.01.2020: Briefe einer Ermordeten

Briefe einer Ermordeten

Selten zuvor sind bei einer Veranstaltung des Stadtmuseums Hofgeismar mitfühlende Sorge, Traurigkeit und Spannung so gepaart gewesen wie am Abend des Holocaust-Gedenktages.

Dr. Michael Dorhs, Leiter der Judaica-Abteilung des Museums, las vor 54 Zuhörern aus den Briefen von Lydia Heilbrunn (geb. 1878), einer Hofgeismarer Bürgerin jüdischen Glaubens. Die Korrespondenz dieser beeindruckenden Frau, nur ihre Briefe der Jahre 1938 – 1942 sind erhalten, mit ihrem rechtzeitig nach Ostasien emigrierten Sohn Alfred sind im Besitz des Museums. Deren Briefe machten am individuellen Schicksal spürbar, unter welch ungeheurem Druck jeder Einzelne stand, der damals keine Ausreisemöglichkeit hatte und den ständig sich verschärfenden antijüdischen Gesetzen der Nationalsozialisten ausgeliefert war.

Sehr auffällig war, dass Lydia Heilbrunn diese Wahrheit in ihren häufigen Briefen zwar andeutete, manchmal wegen der NS-Zensur verrätselt, aber zugleich beschwichtigte, um ihre beiden Kinder in den USA bzw. in Indonesien nicht zu belasten oder zu ängstigen.

Die so sehr erhoffte Auswanderung nach Amerika kam nicht zustande, da Lydia Heilbrunn keine Einreisegenehmigung erhielt. Von Frankfurt/M. wurde sie 1942 mit fast 1000 anderen Juden in das Vernichtungslager Majdanek deportiert; keiner von diesen weit überwiegend älteren Menschen kehrte nach Kriegsende zurück.

Langes betroffenes Schweigen, dann der mehrfache Dank an die Veranstalter beschlossen den Abend.

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